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Freier ZugangBritta Juska-Bacher et al.: Definitionskompetenzen von Erst- und Zweitklässlern. Mit einem Ausblick auf die weitere Entwicklung (MU)

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Produkttyp: Beitrag (Zeitschrift)

Autor(inn)en: Britta Juska-Bacher / Ladina Brugger / Rahel Korthus / Christoph Zangger

Titel: Definitionskompetenzen von Erst- und Zweitklässlern. Mit einem Ausblick auf die weitere Entwicklung

Publikation in: Muttersprache, 131. Jahrgang, Heft 2

Seiten: 117–137 (21 Seiten)

Erschienen: 15.06.2021

Abstract: siehe unten

URI: https://doi.org/10.53371/60203


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Abstract

Gegenstand dieses Beitrags sind die Definitionskompetenzen von Kindern im ersten und zweiten Schuljahr sowie von jungen Erwachsenen. Auf der Grundlage eines aus der internationalen Forschungsliteratur abgeleiteten Kategorienrasters wird untersucht, welche sprachliche Form Kinder in der ersten Klasse für Definitionen von konkreten und abstrakten Nomen sowie Verben wählen (N = 303). Anhand von Vergleichsdaten derselben Kinder aus der zweiten Klasse wird ihre Entwicklung innerhalb eines Jahres analysiert. Den Kinderdefinitionen der beiden Zeitpunkte werden die Definitionen junger Erwachsener (N = 63) gegenübergestellt, um im Sinne einer Apparent-time-Analyse einen Ausblick auf die weitere Entwicklung von Definitionskompetenzen bis ins junge Erwachsenenalter zu geben. Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder bereits im ersten Schuljahr ein Bewusstsein für die Form von Definitionen entwickelt haben. Bereits innerhalb eines Jahres ist gesamthaft eine leichte Tendenz zu abstrakteren Kategorien erkennbar. Vergleicht man die Ergebnisse mit denen junger Erwachsener, so wird die generelle Entwicklung von funktionalen über deskriptive in Richtung kategorialer Formen sehr deutlich. Eine Gegenüberstellung verschiedener Wortarten zeigt, dass in allen Altersgruppen konkrete Nomen am abstraktesten definiert werden (schon einzelne Erstklässler verwenden kategoriale Formen mit Hyperonym und Spezifizierung), diese Kompetenz aber nicht automatisch auf andere Wortarten übertragen wird. Innerhalb des kurzen Zeitraums von einem Jahr lässt sich auf individueller Ebene keine gezielte Entwicklung in Richtung abstrakterer Definitionen feststellen, sondern es sind klar auch »Rückschritte « auszumachen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Qualität einer Definition nicht nur vom Alter der Person und ihren Wortschatzkompetenzen, sondern auch vom individuellen Definiendum sowie seiner Wortart beeinflusst wird.

The topic of this article are the definitional skills of first- and second-grade children and young adults. Based on a category grid derived from the international research literature, the linguistic form children in the first grade (N = 303) choose for definitions of concrete and abstract nouns as well as verbs are investigated. Comparing data from the same children in second grade, their development within one year is analyzed. Furthermore, the children’s definitions at the two time points are compared with the definitions of young adults (N = 63) in order to provide an outlook on the further development of definitional skills into young adulthood in the sense of an apparent-time analysis. The results show that children already have developed a formal awareness of definitions in the first school year. Only within one year, there is a slight overall tendency towards more abstract categories. Comparing the results with those of young adults, the general development from functional via descriptive towards categorical forms becomes very clear. A comparison of different word types shows that in all age groups concrete nouns are defined most abstractly (even some first graders use categorical forms with hyperonym and specification), but this competence is not automatically transferred to other word types. Within the short period of one year, no specific development towards more abstract definitions can be detected on an individual level, but »regressions« can also be identified. The results show that the quality of a definition is not only influenced by the age of the person and her or his vocabulary skills, but also by the individual definiendum as well as its word type.