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Artikeldetails

Petra Braselmann: Das Paradox der französischen Sprachpolitik: Vorbild für Europa? (MU)
(English only? Was wird aus Deutsch und den anderen europäischen Sprachen? Teil 1)

Produktabbildung

Produkttyp: Beitrag (Zeitschrift)

Autor(in): Petra Braselmann

Titel: Das Paradox der französischen Sprachpolitik: Vorbild für Europa?

Publikation in: Muttersprache, 119. Jahrgang, Heft 2

Seiten: 98–111 (14 Seiten)

Erschienen: 15.06.2009

Abstract: siehe unten


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Preis: 4,90 € inkl. MwSt.
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Abstract

Sprachen und Kulturen bewegen sich gegenwärtig in einem Umbruch, der vor allem durch das
Englische und die angloamerikanische Kultur ausgelöst wird. In einem Europa ohne Grenzen steht
die Sprachenfrage immer mehr im Vordergrund. Die eigene Identität wird zum Anliegen – was
liegt da näher, als entsprechende Gesetze zum Schutz und zur Verteidigung der Sprachen zu
erlassen? Dass die französische Sprachpolitik, die nicht nur eine lange Tradition hat, sondern auch
aufwändig und effektiv betrieben wird, als beispielhaft für andere europäische Länder angesehen
(und eingefordert) wird, gehört schon zu den Selbstverständlichkeiten einschlägiger Arbeiten.
Der Beitrag untersucht in einem ersten Teil die Ziele der aktuellen französischen Sprachpolitik,
konzentriert sich in einem zweiten Teil auf die nach dem Sprachgesetz (Loi Toubon) von 1994
(wenig bekannte) staatliche Neuorientierung in der Pflege und Verbreitung der Nationalsprache in
Frankreich und in der Welt (Wende ca. 1996), um in einem dritten Teil auf mögliche europäische
»Nachahmer« einzugehen. Ergebnis ist, dass Frankreich kein Vorbild für die europäischen Länder
z. B. in der Regionalsprachenpolitik sein kann, auch wenn diese mit der Verfassungsänderung vom
Juli 2008 als »nationales Kulturerbe« anerkannt wurden (was ein erster Schritt ist, jedoch nicht
die Ratifizierung der »Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen« bedeutet).
Mit seinen engagierten (und kostenintensiven) Aktivitäten zur Stützung des Französischen in
der Welt kann Frankreich dagegen sehr wohl Vorbild sein. Das Paradox in der französischen
Sprach(en)politik liegt darin begründet, dass Frankreich einerseits für eine zu schützende
internationale Mehrsprachigkeit eintritt, andererseits aber in seinem eigenen Land – angesichts
der immer noch nicht definitiv gelösten Frage der Regionalsprachen – Monolingualismus predigt.

Languages and cultures are currently experiencing major changes, which are mainly caused by
English and by Anglo-American culture. In today’s Europe, where the borders have disappeared,
the language question is becoming an increasingly important issue. Individual identity is gaining
significance, and it seems almost natural that laws are now passed to protect and defend national
and regional languages. It has become a commonplace in the relevant literature that France’s
language politics, which has a long tradition and is undertaken with considerable effort and
efficiency, is considered an example for other European countries. The first part of this contribution
thus investigates the aims of current French language policy, while the second part focuses on
the developments after the language law of 1994 (Loi Toubon), and the subsequent (little known)
re-orientation (around 1996) of the state in the defence and expansion of the French language in
France and in the world. The third section of this contribution is devoted to potential European
»imitators«. The investigations reveal that France cannot serve as a model for European countries
concerning e. g. regional language politics. The constitutional amendment of July 2008 recognises
France’s regional languages as »national cultural heritage«, which is a first step. But it does not
mean the ratification of the »European Charter of Regional or Minority Languages«. However,
the considerable (and costly) efforts the French undertake to support the French language in the
world can very well serve as a model. The situation of France’s language politics is paradoxical: on
an international level, the French support multilingualism, while the unsolved question of regional
languages within France itself shows that they still preach monolingualism there.