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Sina Lautenschläger: Eindeutig mehrdeutig – mehrdeutig eindeutig: digitales Schweigen und seine Interpretation (MU)
(Mehrdeutigkeit in kleinen Texten des Social Web)

Produkttyp: Beitrag (Zeitschrift)
Autor(in): Sina Lautenschläger
Titel: Eindeutig mehrdeutig – mehrdeutig eindeutig: digitales Schweigen und seine Interpretation
Publikation in: Muttersprache, 136. Jahrgang, Heft 2
Seiten: 163–178 (16 Seiten)
Erscheint: 15.06.2026
Abstract: siehe unten
URI: https://doi.org/10.53371/61592

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Abstract
Dieser Beitrag ist Schweigen zugewendet und zwar spezifisch einem Schweigen, das in interpersonaler, digitaler Messenger-Kommunikation auftritt. Da Schweigen ein Phänomen ohne materielle Substanz, also ein Nichts ist, wird seine Bedeutung von den Interagierenden ausgehandelt und ist dadurch hochgradig kontextabhängig, mehrdeutig und multifunktional. Anhand von authentischer Messenger-Kommunikation bei WhatsApp und anhand von kleinen Texten des Social Web wird gezeigt, dass Schweigen in einer Redekultur vorwiegend unter der Prämisse »Schweigen bedeutet nichts Gutes« verhandelt wird. Trotz dieser vermeintlichen Eindeutigkeit bietet sich Schweigen wegen seiner prinzipiellen semantischen Offenheit aber als Praktik strategischer Mehrdeutigkeit an, was hier am Beispiel der Spannungsfelder Macht – Ohnmacht und Protektion – Provokation diskutiert wird.
This article focuses on silence, specifically a silence that occurs in interpersonal, digital messenger communication. Since silence is a phenomenon without material substance, i. e. a no-thing, its meaning is negotiated by the interactants and is therefore highly context-dependent, ambiguous and multifunctional. Using authentic messenger communication on WhatsApp and small texts from the Social Web, it is shown that silence in a speech culture is predominantly negotiated under the premise »silence means nothing good«. Despite this supposed unambiguity, however, silence lends itself to be a practice of strategic ambiguity due to its fundamental semantic openness, which is discussed here on the basis of the tensions between power – powerlessness and protection – provocation.