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Horst Dieter Schlosser: verhüllen – verdrängen – beschönigen Euphemismen im kulturellen Wandel (MU)

Produkttyp: Beitrag (Zeitschrift)
Autor(in): Horst Dieter Schlosser
Titel: verhüllen – verdrängen – beschönigen Euphemismen im kulturellen Wandel
Publikation in: Muttersprache, 117. Jahrgang, Heft 4
Seiten: 281–295 (15 Seiten)
Erschienen: 15.12.2007
Abstract: siehe unten

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Abstract
Die Funktionen des Euphemismus haben seit der Antike eine bedeutsame Gewichtsverschiebung
erfahren. Spielte lange Zeit der Typus des verhüllenden Euphemismus eine wichtige Rolle, so
ist in den beiden letzten Jahrhunderten der verschleiernde Typus immer wichtiger geworden.
Gründe dafür sind die abnehmende Bedeutung von Tabubrüchen, die der verhüllende
Euphemismus verhindern sollte, und der gewachsene Bedarf, unangenehme Themen in Politik
und Wirtschaft zu beschönigen. Die politische Propaganda ist durch die Demokratisierung im
Gefolge der Französischen Revolution wichtig geworden, die kommerzielle, inzwischen auch
die wissenschaftspolitische Werbung nimmt seit der Industriellen Revolution einen immer
breiteren Raum ein. Parallel zur Beschönigung politischer Sachverhalte hat die Propaganda auch
den Gebrauch des Dysphemismus gefördert, durch den gegnerische Positionen dramatisierend
stigmatisiert werden sollen.
Since the time of classical antiquity, the functions of euphemisms have experienced significant
changes in their importance. Whereas, for a long time, the specific type of covering euphemisms
has played an important role, the type of masking euphemisms has become more significant
during the last two centuries. This can be explained with the decreasing importance of taboo
breakings, which were expected to be prevented by covering euphemisms, another reason is the
increasing need to prettify unpleasant subjects in politics and business. In the wake of the French
Revolution, democratization has intensified political propaganda. Furthermore, since the industrial
revolution, commercial, as well as »scientific-political« advertising has gained in importance. In
addition to the prettifying of political facts, political propaganda has also promoted the usage of a
contrary type, of dysphemisms, which vociferously stigmatize opposing views.