Artikeldetails
Stefan Matthias Zucchi: Morphologische Aspekte defizienter Personalpronomina des Deutschen (MU)

Produkttyp: Beitrag (Zeitschrift)
Autor(in): Stefan Matthias Zucchi
Titel: Morphologische Aspekte defizienter Personalpronomina des Deutschen
Publikation in: Muttersprache, 115. Jahrgang, Heft 1
Seiten: 64–71 (8 Seiten)
Erschienen: 15.03.2005
Abstract: siehe unten

Preis: 4,90 € inkl. MwSt.
(Download)
Abstract
Während die Grammatiken aller romanischen Sprachen zwei grundsätzlich verschiedene Klassen
von Personalpronomina kennen, wurde im Deutschen traditionell keine Einteilung in verschiedene
Pronominalklassen vorgenommen. Folglich galt die dritte Person Singular neutrum es zumeist als
reiner »Sonderfall«.
Die vergleichende eurozentrierte Sprachwissenschaft der 1980er- und -90er-Jahre hingegen hat
anhand von Untersuchungen der semantischen und syntaktischen Strukturen des Deutschen festgestellt,
dass es auch hier zwei unterschiedliche Klassen der Personalpronomina gibt, nämlich
starke und defiziente. Allerdings gehen Arbeiten wie die von Cardinaletti/Giusti (1996) oder Starke
(1995) weiterhin davon aus, dass die defizienten deutschen Pronomina keine morphologischen
Eigenheiten besitzen.
Legt man der Analyse jedoch anstelle orthographisch korrekter Texte phonetische Transkriptionen
des gesprochenen Deutschen zugrunde, so lassen sich mühelos auch morphologische Unterschiede
zwischen starken und defizienten Personalpronomina nachweisen. Die defizienten Pronomina
sind zudem auch im Deutschen häufig klitisiert. Schließlich kennt auch das Schriftdeutsche seit
Luthers Bibelübersetzung Formen defizienter, oftmals klitischer Pronomina.
Whereas grammatical systematics of all romanic languages distinguish between two different
classes of personal pronouns, traditional German grammar does not offer a classification like that.
Therefore, the 3rd person singular neutrum es is ususally regarded as an exception.
During the 1980s and 90s, comparative linguistic studies on european languages have, however,
ascertained (by analyzing semantic and syntactical structures) that the German pronouns, too, can
be assigned to two different classes. But still, studies like those by Cardinaletti/Giusti (1996) or
Starke (1995) deny that deficient German pronouns have special morphological characteristics.
By analyzing phonetical transcriptions of spoken current German (instead of normal written texts) it
can be shown, that there are, indeed, morphological differences between strong and deficient pronouns.
Besides, German deficient pronouns are often cliticized. Since the days of Martin Luther’s
bible translations, deficient pronouns occasionally do appear even in written German.