Artikeldetails
Sigurd Wichter: Reihen. Folgen aus Gesprächen und Textkommunikaten. Zur Modellierung der gesellschaftlichen Kommunikation. (Teil 1) (MU)

Produkttyp: Beitrag (Zeitschrift)
Autor(in): Sigurd Wichter
Titel: Reihen. Folgen aus Gesprächen und Textkommunikaten. Zur Modellierung der gesellschaftlichen Kommunikation. (Teil 1)
Publikation in: Muttersprache, 115. Jahrgang, Heft 3
Seiten: 193–214 (22 Seiten)
Erschienen: 15.09.2005
Abstract: siehe unten

Preis: 4,90 € inkl. MwSt.
(Download)
Abstract
Nehmen wir an, dass wir eine komplexere sprachliche Interaktion vorhaben, etwa den Kauf eines
Autos nach sorgfältigem Markenvergleich oder irgendeinen aufwendigen Kontakt mit einer
Behörde. Dann gilt frei nach einer bekannten Trainerweisheit: Nach dem Gespräch ist vor dem
Gespräch, nach dem Text ist vor dem Text. In sehr vielen Fällen ist also das, was man letztlich
bezweckt, nicht durch ein einziges Gespräch oder durch die Übermittlung eines einzigen Textes erreichbar,
sondern nur durch eine Folge von – dialogischen – Gesprächen und bzw. oder – monologischen
– Textübermittlungen, kurz: durch eine Folge von Kommunikaten.
Der Abschluss, der durch ein Gesprächs- bzw. Textende gegeben ist, ist also auf die ganze Interaktion
gesehen relativ. Erst die Folge der Kommunikate, kurz: erst die Reihe ist das, was in der Eigenperspektive
der sprachlich Handelnden als Ganzes zählt. Erst die Reihe ist handlungspraktisch
die grundlegende Perspektive.
Soweit ich sehe, ist auch der Diskurs im Sinn einer gesellschaftsweiten Behandlung eines Themas
nichts anderes als eine Reihe, wenn auch eine höchst komplex vernetzte natürlich, so dass über der
Ebene von Gespräch und Textkommunikat als höchste Ebene die der Reihen anzusetzen wäre.
Da die folgenden Ausführungen etwas umfangreicher sind, erfolgt der Abdruck in zwei Teilen, die
Veröffentlichung von Teil 2 ist für die Dezemberausgabe der Muttersprache (Heft 4/05) vorgesehen
Let us assume that we are intending to carry out a relatively complex verbal interaction, such as
buying a car after carefully comparing different makes or raising an issue with a local authority.
In such cases, after the conversation is before the conversation, and after the text is before the
text – to adapt a phrase popular with sports coaches. This means that in very many cases one’s
aims cannot actually be achieved through a single conversation or a single written text but only
through a series of conversations (dialogues) or a series of texts (monologues), in short, through
a series of communicates.
In the context of the entire interaction the closure that is achieved through ending a conversation
or text is thus of a merely relative nature. It is only the sequence of communicates, the series,
which counts as a complete whole for the persons conducting the verbal action and which forms
the basic perspective for a pragmatic approach.
As far as I can see, discourse in the sense of the society-wide discussion of a specific topic is in
fact also such a series, albeit naturally one with highly complex interconnections, so that the series
as a level would have to be placed above the level of conversation and text communicate.
As the following discussion is relatively extensive, it will be printed in two parts, part two is to be
published in the December issue of Muttersprache (issue 4/05).