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Hermann Möcker: Von »dreieffigen« Schreibungen (»dreiäffig«?) Oder: 2 plus 1 war nicht immer 3 Irrwege und Wege der deutschen Rechtschreibung (MU)

Produktabbildung

Produkttyp: Beitrag (Zeitschrift)

Autor(in): Hermann Möcker

Titel: Von »dreieffigen« Schreibungen (»dreiäffig«?) Oder: 2 plus 1 war nicht immer 3 Irrwege und Wege der deutschen Rechtschreibung

Publikation in: Muttersprache, 116. Jahrgang, Heft 2

Seiten: 109–121 (13 Seiten)

Erschienen: 15.06.2006

Abstract: siehe unten


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Preis: 4,90 € inkl. MwSt.
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Abstract

Die jüngste Neuregelung der deutschen Rechtschreibung hat endlich für intensive Untersuchungen
und Bewertungen unserer Orthographie gesorgt. Ein Problemfall war die Einsparung eines
dritten gleichen Konsonantenbuchstaben an der Fuge von Zusammensetzungen (z. B. Kunststoffenster)
– vor einem folgenden Vokal. Vor einem weiteren (vierten) Konsonantenbuchstaben
waren aber alle drei Gleichen zu schreiben (Kunststoffflasche), ebenso wenn vor einem folgenden
Vokal das Wort getrennt werden musste (Kunststoff-fenster).
Hier wird eine Längsschnittuntersuchung vorgelegt, welche die Regelentwicklung vom ausgehenden
18. Jh. bis zur jüngsten Reform und ihre Auswirkungen auf die Schreibpraxis (Fehleranfälligkeit!)
sowie auf Verwirrungen der Aussprache zeigt.
Zumeist wurde die Einsparung irrig als die eigentliche »Hauptregel« empfunden, doch erst – und
nur! – die 10. und die 11. Duden-Auflage von 1929 bzw. 1934 ließen erkennen, dass die Dreifachsetzung
die Regel, die Einsparung aber die Ausnahme war. Doch schon 1941 fiel der Duden auf
die alte Formulierung zurück.
Die widersprüchliche Regelung wurde mit immer mehr Kasuistik angereichert und zog viele unbrauchbare
Reformvorschläge nach sich, bis der Übergang zur konsequenten Dreifachsetzung
gleicher Konsonanten und Vokale an der Kompositionsfuge im Zuge der Neuregelung sich als
die einzig sinnvolle Lösung erwies, eine Regelung, die mit nur zwei Ausnahmen – dennoch und
Mittag – bei bloß einer Falschmeldung (Drittel) fast ein Ruhmesblatt der jüngsten Reform darstellt.

The latest reorganization of the German orthography has finally led to intensive research and exact
assessment of our German way of spelling. The dropping of the third consonant of the same
kind posed a problem where compounds were joined together followed by a vowel (e. g. Kunststoffenster).
If followed by a fourth consonant, however, all three consonants of the same kind
meant correct spelling (e. g. Kunststoffflasche) also in case of syllable division (e. g. Kunststoff-fenster).
The paper in hand shows the development of the rules from the end of the 18th century up to
the latest reform in length and also the effects it had on the real practice of spelling – (liability to
mistakes!) – and on the confusion in pronunciation.