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Georg Schuppener: Das »Jugendwort des Jahres« als Spiegel der multikulturellen Gesellschaft? (MU)

Produkttyp: Beitrag (Zeitschrift)
Autor(in): Georg Schuppener
Titel: Das »Jugendwort des Jahres« als Spiegel der multikulturellen Gesellschaft?
Publikation in: Muttersprache, 136. Jahrgang, Heft 1
Seiten: 25–40 (16 Seiten)
Erschienen: 15.03.2026
Abstract: siehe unten
URI: https://doi.org/10.53371/61460

Preis: 4,90 € inkl. MwSt.
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Abstract
In der Studie wird untersucht, inwieweit das seit 2008 vom Langenscheidt Verlag ermittelte »Jugendwort des Jahres« die sprachliche Vielfalt einer multikulturellen Gesellschaft widerspiegelt. Obwohl dessen Wahl öffentliche Aufmerksamkeit auf Sprache lenkt, ist ihre Aussagekraft und Repräsentativität aufgrund intransparenter Auswahlprozesse fragwürdig. In der Untersuchung werden 260 nominierte lexikalische Einheiten aus den Jahren 2008 bis 2024 analysiert. Hierbei zeigt sich, dass Anglizismen knapp 44 % der Vorschläge ausmachen. Lexik mit migrantensprachlichem Hintergrund ist deutlich unterrepräsentiert. Lediglich acht Nominierungen (3,1 %) stammen aus dem Arabischen und/oder Türkischen. Trotz gegenteiliger medialer Behauptungen ist keine Zunahme migrantensprachlicher Begriffe festzustellen. Sprachen zahlenmäßig relevanter Migrantengruppen, wie z. B. Polnisch, Russisch oder Rumänisch, sind in den Nominierungen gar nicht vertreten. Die Popularisierung der wenigen nominierten türkischen und arabischen Begriffe erfolgt hauptsächlich durch die Musikszene und soziale Medien, wo sie oft emotiv-expressive Funktionen besitzen. Insgesamt zeigt sich, dass das »Jugendwort des Jahres« die sprachliche Realität einer multikulturellen Gesellschaft nicht abbildet und eher kommerziellen Interessen des Verlags dient.
The study examines the extent to which the »Youth Word of the Year«, which has been determined by Langenscheidt Verlag since 2008, reflects the linguistic diversity of a multicultural society. Although the selection draws public attention to language, its significance and representativeness are questionable due to non-transparent selection processes. The study analyzes 260 nominated lexical units from 2008 to 2024. It shows that Anglicisms account for just under 44 % of the suggestions. Lexicon with a migrant language background is significantly underrepresented. Only eight nominations (3.1 %) come from Arabic and/or Turkish. Despite contrary claims in the media, there is no evidence of an increase in migrant language terms. Languages of numerically relevant migrant groups, such as Polish, Russian, or Romanian, are not represented at all in the nominations. The popularization of the few nominated Turkish and Arabic terms is mainly through the music scene and social media, where they often have emotive-expressive functions. Overall, it is clear that the »Youth Word of the Year« does not reflect the linguistic reality of a multicultural society and instead serves the commercial interests of the publisher.