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Artikeldetails

Amalia Sdroulia: Der Big-Brother-Container als Identitätskonstruktionsraum (MU)

Produktabbildung

Produkttyp: Beitrag (Zeitschrift)

Autor(in): Amalia Sdroulia

Titel: Der Big-Brother-Container als Identitätskonstruktionsraum

Publikation in: Muttersprache, 118. Jahrgang, Heft 3

Seiten: 208–214 (6 Seiten)

Erschienen: 15.09.2008

Abstract: siehe unten


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Preis: 4,90 € inkl. MwSt.
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Abstract

Ganz ähnlich wie bei Robinson Crusoe, der auf einer Insel auf sich selbst zurückgeworfen
ist, wird die Identität der Kandidaten in der Sendung Big Brother durch den Einzug ins Haus
erschüttert und als neue Eigentlichkeit rekonstruiert. Das authentische Ich muss nicht als
dauerhafte Selbstthematisierung und Selbstdarstellung gezeigt werden, sondern kann sich in
den unwillkürlichen Darstellungen offenbaren. Die Bewohner müssen unvorbereitet auf neue
Situationen und Aufgabenstellungen reagieren und sich spontan zurechtfinden und bewähren. In
einer reflektierten Diskussion moralischer Fragen wird in dem vorliegenden Beitrag behauptet, dass
die Sendung Big Brother und das ihr zu Grunde liegende Spiel ein Ausdruck der gesellschaftlichen
Entwicklung und des sozialen Wandels bei der so genannten Mediengeneration ist. Dieser Wandel
hat Auswirkungen auf das Selbstverständnis und die Identität von Individuen bzw. Männern und
Frauen. Die Individuen handeln nicht mehr im Rahmen festgelegter Identitäten, sondern haben die
Möglichkeit, zwischen verschiedenen Identitätsaspekten zu wählen. Bei dieser Diskussion wird
die bedeutende Rolle des Fernsehformats als Kristallisationspunkt kultureller Differenzierungen
thematisiert, weil Einstellungen einer Kultur oder Gesellschaft (re)produziert, modifiziert und
gesellschaftliche Auseinandersetzungen mit der Individualisierung und Globalisierung und den
daraus folgenden Veränderungen lokalen soziokulturellen Wissens analysiert werden können.

Just as in Robinson Crusoe‘s case (who lives on an island all by himself), candidates‘ identities
are often shaken to the ground and reconstructed as new ones in the Big Brother-container. The
authentical »I« does not have to be shown as a permanent self-portrayal but can disclose itself in
involuntary actings. The occupants have to react to and cope with unknown situations and tasks
spontaneously, they have to get along somehow and prove their abilities. By giving a reflected
discussion of moral questions, this article wants to show that Big Brother as well as the game it is
based on are an expression of society‘s development and of the so-called media generation‘s social
change. This change becomes apparent in self-understanding and identity of individuals. Men as
well as women do not longer act within the framework of fixed identities but are able to choose
between various identity aspects. In this article the important role of a TV-format as a match point
of cultural differentiations will be discussed because the attitudes of a culture or society can be
(re)produced and modified. Furthermore, society‘s issues as individualization and globalization and
their implications and consequences on sociocultural knowledge shall be analysed.