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Artikeldetails

Reinhold Steininger: »O Gott, ich habe mein Kind bairisch sprechen lassen!«. Zur Frage der sprachlichen Kompetenz von Dialektsprechern (MU)

Produktabbildung

Produkttyp: Beitrag (Zeitschrift)

Autor(in): Reinhold Steininger

Titel: »O Gott, ich habe mein Kind bairisch sprechen lassen!«. Zur Frage der sprachlichen Kompetenz von Dialektsprechern

Publikation in: Muttersprache, 114. Jahrgang, Heft 3

Seiten: 234–243 (10 Seiten)

Erschienen: 15.09.2004

Abstract: siehe unten


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Preis: 4,90 € inkl. MwSt.
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Abstract

Dieser Beitrag will Eltern und Familien, Erziehende und Lehrende, aber auch Vertreter/-innen der Didaktik und Kulturpolitik in dem Grundgefühl bestärken, dass dem Kind/den Kindern ein möglichst mutter-naher Spracherwerb und ein in der natürlichen Umgebung eingebetteter Ausbau der Muttersprache nur nützen kann. Nicht nur im deutschen Sprachraum ist damit meist eine Ortsmundart, ein Dialekt oder eine Umgangssprache dienlicher als die genormte Hochsprache, deren Aneignung später bei Bedarf kein besonderes Problem darstellt. Denn die Vorstellung, in einem Kind müssten möglichst lange genormte Listen von Lexemen und Grammatikparagraphen abgespeichert werden, ist unhaltbar, beschert aber Eltern Sorgen und verursacht in der Schule sehr viel Leerlauf. Hingegen kann das intensive persönliche Gespräch mit allen Sinnen – sozusagen mit Haut und Haar – zwischen Kind und Mutter, Vater, Lehrer, ... für die Entwicklung der Muttersprache durch nichts ersetzt werden. Der Weg, den die Evolution des Menschen gegangen ist, kann auch im 20. und 21. Jahrhundert nicht außer Kraft gesetzt werden.

This essay aims at strengthening parents, families, educators and teachers, but also didacticians and cultural politicians in their basic feeling that children can best learn a language if it is as close as possible to their mothers‘ and if the mother tongue can develop in natural surroundings. It is not only in the German speech area that for this purpose a local patois, a dialect or a colloquial language is often more useful than a standardized language, whose acquisition if required later usually poses no great problem for a child. For the idea that long lists of standardized lexemes and grammatical paragraphs must be stored up in a child is untenable, worries parents and causes a great deal of useless work at school. Whereas the intensive personal dialogue between child and mother, father, teacher, ... in which all human senses are employed, is absolutely irreplaceable for
the development of the mother tongue. The way the evolution of man has taken is valid also in the twentieth and twenty-first centuries.