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Daniel F. Leutgeb: Etymologische Analyse des Lexems Logistik (MU)

Produkttyp: Beitrag (Zeitschrift)
Autor(in): Daniel F. Leutgeb
Titel: Etymologische Analyse des Lexems Logistik
Publikation in: Muttersprache, 114. Jahrgang, Heft 3
Seiten: 206–219 (14 Seiten)
Erschienen: 15.09.2004
Abstract: siehe unten

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Abstract
Globalisierung und verstärkter Einsatz neuer Technologien bewirken steigendes Interesse an der Funktion der Logistik. Dieser Trend zeigt sich sowohl in der zunehmenden Anzahl theoretischer Beiträge als auch in der steigenden Beachtung von Praktikerseite. In der Fachliteratur herrscht darüber Konsens, dass der Ausdruck Logistik aus dem Militärwesen stammt. Über den etymologischen Ursprung des Wortes existieren hingegen divergente Ansichten. Die Grundlage des vorliegenden Beitrages ist eine sprachwissenschaftliche Analyse der potentiellen Quellen des Lexems Logistik. In diesem Kontext wird auf die Begriffsfassungen des byzantinischen Kaisers Leo VI. und des französischen Militärtheoretikers Henri Baron de Jomini näher Bezug genommen. Ergebnis der Untersuchung ist die Erkenntnis, dass das Wort Logistik griechischen Ursprungs und auf das substantivierte Adjektiv hē logistikē zurückzuführen ist. Jahrhunderte nach dem ersten Beleg des Wortes in seiner spezifisch militärischen Bedeutung bei Leo VI. gibt Jomini dem bestehenden französischen Wort logistique, das die vier Grundrechnungsarten bezeichnet, eine neue Interpretation und Bedeutung, indem er die ersten beiden Silben des Wortes auf logis bezieht. Diese Herleitung von logistique aus logis ist eine morphologische Unmöglichkeit, der freilich eine gewisse hermeneutische Originalität und Kreativität zukommt.
Globalization and intensified use of new technologies result in a growing interest in logistics. This trend is reflected in an ever rising number of theoretical papers on this topic, as well as an influx of attention from commercial practitioners. There is consensus in the literature that the term logistics stems from military use. However, there is disagreement about the origins of the word. The basis of this paper is a linguistic analysis of the potential sources of the lexeme logistics. In the course of this article references regarding the term’s origins are made to the Byzantine emperor Leo VI. and to the French military theorist Henri Baron de Jomini. The result of the analysis is that logistics is of Greek origin and is derived from the noun hē logistikē. Several centuries after the first proof of the word in its specific military sense Jomini gave the existing French word logistique (denoting arithmetic) a new interpretation and meaning by referring to the word logis. This derivation of logistique from logis is a morphological impossibility which, however, has a certain hermeneutic originality and creativity.