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Artikeldetails

Ludwig Zehetner: »Der genoweite Kontoauszug«. Überlegungen zur wortbildenden Funktion von »o« in Wortkürzungen und Kurzwörtern (MU)

Produktabbildung

Produkttyp: Beitrag (Zeitschrift)

Autor(in): Ludwig Zehetner

Titel: »Der genoweite Kontoauszug«. Überlegungen zur wortbildenden Funktion von »o« in Wortkürzungen und Kurzwörtern

Publikation in: Muttersprache, 114. Jahrgang, Heft 1

Seiten: 17–28 (12 Seiten)

Erschienen: 15.03.2004

Abstract: siehe unten


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Preis: 4,90 € inkl. MwSt.
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Abstract

Obwohl sich im Deutschen nur ganz wenige Erbwörter mit o-Ausgang erhalten haben, weist die Gegenwartssprache eine beträchtliche Menge von Wörtern mit unbetontem auslautenden -o auf, und ihre Anzahl nimmt ständig zu. Dutzende von Lehnwörtern aus dem Italienischen, Spanischen und anderen Sprachen sind fest in den Wortschatz integriert. Reichlich belegt sind Namen auf -o (Personen-, Firmen- und Produktnamen). Viele Ausdrücke aus der Terminologie der Naturwissenschaften sowie aus Medizin und Technik, wo Wortbildungen mit einem o-Infix sehr häufig sind, haben Eingang in die Alltagssprache gefunden. Im Englischen wie im Deutschen entwickelte sich -o- zu einem Wortbildungselement. So erklären sich Neologismen wie z. B. Servolenkung, Bankomat, Spielothek.
Durch »back clipping« (›Zurückschneiden‹ – eine Methode der Wortkürzung, die im Englischen eine lange Tradition hat) entstanden neue Zweisilbler, von denen viele ins Deutsche entlehnt wurden (z. B. dynamo, radio, photo). Nach englischem Muster sind Auto, Kino, Steno u. a. m. gebildet. In den letzten drei oder vier Jahrzehnten wurden zahlreiche Kurzwörter auf -o gebildet, und zwar entweder durch »back clipping« bis zu einem vorhandenen o (oft ohne Rücksicht auf Etymologie und Silbenstruktur des Ausgangswortes, z. B. Abo oder Info, geno(-weit) ist einer der jüngsten Belege) oder durch Suffigierung mit einem -o. Verbreitet sind sie vornehmlich in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik (Deko, Demo, Realo), besonders auffällig aber in der Jugendsprache und auf einer daran orientierten Stilebene (bingo, logo, claro).

Although only very few words of Germanic origin with a final o have survived, present-day German shows a considerable quantity of words ending in an unstressed o, and its number is steadily increasing. Dozens of loan words from Italian, Spanish and other languages have become an integral part of the German vocabulary. There are countless names with a final o (of persons, companies and products). From the terminologies of sciences, medicine and technology, where o-infixes are frequent, lots of words have been adopted into everyday language. Both in English and in German, o has become an element of word formation. Thus the way was paved for coining hybrids like, for instance, Servolenkung, Bankomat, Spielothek.
By »back clipping« – a method of word formation with a long tradition in English – bisyllabic neologisms, such as dynamo, radio, photo, were created, many of them were adopted by German-speaking countries. Others, like Auto, Kino, Steno, were generated according to the English pattern. In the last three or four decades, a lot of new words with an o-ending came up, created either by means of »back clipping« (in many cases regardless of etymology or syllable structure, e. g. Abo or Info, one of the most recent specimens is geno(-weit), or by adding -o as a suffix. Predominantly they appear in the fields of economy, social life and politics (Deko, Demo, Realo), most conspicuously, however, in the jargon of the young generation and in the stylistic level based on it (bingo, logo, claro).